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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der acht deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

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Mehr als nur Finanzierungen

Mehr als nur Finanzierungen

Laura Pool, director of risk at Oikocredit.jpg18. April 2019

Die Genossenschaft Oikocredit hat gerade ihr Finanzergebnis für 2018 veröffentlicht. Wir sprachen mit Laura Pool, Oikocredits Direktorin Finanzen und Risikomanagement, um das Gesamtergebnis auszuwerten und einen Einblick zu gewinnen, wie die Genossenschaft ihre Ergebnisse künftig verbessern will. Nicht zuletzt erläutert Laura auch, warum das Angebot von Fachwissen und der Einsatz der richtigen Finanzinstrumente den entscheidenden Unterschied machen.

Was motiviert Sie bei Ihrer Arbeit für Oikocredit?

Ich bin überzeugt, dass unsere Arbeit positive Wirkungen erzielt. Bei Oikocredit geht es um mehr als Investments und Kredite. Uns sind unsere Partner und deren Arbeit wichtig.

Ich habe einige Erfahrungen mit Finanzinstituten gesammelt. Dabei konnte ich erleben, wie wichtig das Angebot von Fachwissen und der Einsatz der richtigen Finanzinstrumente sind. Und genau das bietet Oikocredit. Unsere Partner bewegen etwas zum Positiven im Leben ihrer Kunden und Kundinnen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir ihnen die passenden Instrumente an die Hand geben. Das wird nicht zuletzt durch unsere starke lokale Präsenz möglich.

Außerdem arbeite ich gern in unserer Hauptgeschäftsstelle mit einer vielfältigen Gruppe von Kollegen und Kolleginnen zusammen. Das Umfeld ist sehr breit gefächert, was mir Spaß macht. Jeden Tag lerne ich etwas Neues darüber, wie Menschen aus den vielen verschiedenen Ländern denken und sich geschäftlich betätigen. Das finde ich einfach faszinierend.

Oikocredit hat gerade das Finanzergebnis für 2018 veröffentlicht. Können Sie uns ein paar Highlights nennen?

Unser Mitgliederkapital ist gestiegen und damit auch unsere Bilanzsumme. Unsere Portfolios in den Bereichen inklusives Finanzwesen und Landwirtschaft sind deutlich gewachsen, und das Projektfinanzierungsportfolio hat zum zweiten Mal die Eine-Milliarde-Euro-Grenze überschritten.

Je stärker wir wachsen, desto effektiver können wir unsere Partner dabei unterstützen, die Lebensumstände einkommensschwacher Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika zu verbessern. Durch unsere neue Strategie zur Währungsabsicherung ist es uns gelungen, den negativen Effekt von Wechselkursschwankungen im Vergleich zu 2017 erheblich zu reduzieren.

Das Niedrigzinsumfeld wirkt sich aber immer noch negativ auf unser Gesamtergebnis aus, das nach Mittelallokation bei bescheidenen 1,3 Millionen Euro lag. Aber wir waren darauf vorbereitet. Wir wussten, dass wir im Zuge der aktualisierten Strategie Zeit brauchen würden, um die Kosten zu senken und die Gewinnspannen in unserem Portfolio zu vergrößern. 

Warum hat Oikocredit eine neue Strategie zur Absicherung von Währungsrisiken eingeführt?

Im Rahmen der neuen Grundsätze sichern wir unser Wechselkursrisiko bei Geschäften mit Dritten größtenteils ab. Das tun wir, um die negative Wirkung von Wechselkursschwankungen auf unsere Ergebnisse zu beschränken.

Das ist gerade deshalb wichtig, weil wir unseren Partnern auch weiterhin Kredite in ihrer jeweiligen Landeswährung anbieten wollen. So sind sie nämlich vor Währungsverlusten durch Abwertungen geschützt, gegen die sie sich in der Regel nicht selbst schützen können.

In den Jahren bis 2017 haben wir dafür unseren internen Fonds zum Ausgleich von Währungsrisiken in Anspruch genommen. In den letzten Jahren war der Fonds dann so gut wie ausgeschöpft.

Bei Oikocredit setzen wir uns mit Nachdruck dafür ein, unsere Partner soweit wie möglich bedarfsgerecht zu unterstützen. Genau das können wir mit unserer neuen Währungsstrategie auch weiterhin tun.

Wie wollen Sie Oikocredits Finanzergebnisse in Zukunft konkret verbessern?

Der wichtigste Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel ist unsere aktualisierte Strategie: Wir konzentrieren uns auf drei Schwerpunktbereiche und 33 Wachstumsländer. Vor diesem Hintergrund zielen wir auf Wachstum bei gleichzeitiger Kostensenkung ab. Wir müssen hier die richtige Balance schaffen zwischen der Unterstützung unserer Partner durch lokale Präsenz einerseits und andererseits der Notwendigkeit, so effizient wie möglich zu arbeiten.

Die Steigerung unserer Kreditmargen, um so der Kostenentwicklung bei der Darlehensvergabe Rechnung zu tragen, ist ebenfalls Teil unserer Strategie. Das soll unsere finanzielle Stabilität erhöhen, damit wir optimal aufgestellt sind, um unsere Partner zu unterstützen. Zudem werden wir weiterhin in Kapitalbeteiligungen investieren, die allgemein höhere Erträge bringen. Zwar sind Kapitalbeteiligungen auch riskanter, doch das Wachstum unseres Portfolios erlaubt es uns, weitere Kapitalbeteiligungen einzugehen.

Lesen Sie hier über Oikocredits aktualisierte Strategie.

Wirkt sich die aktualisierte Strategie bereits auf Oikocredits Finanzergebnisse aus?

Ja, wir erleben bereits einen leichten Rückgang der Kosten und eine allmähliche Verbesserung der Margen. Doch die Umsetzung der Strategie ist ein kontinuierlicher Prozess. Voraussichtlich werden die Änderungen erst ab Ende 2019 Wirkung zeigen.

Für weitere Informationen zu diesen Änderungen und ihre Wirkung auf Oikocredit lesen Sie dieses Interview mit unserem Direktor für Investments, Bart van Eyk. 

Der Vorstand schlägt eine Dividende von einem Prozent vor. Worauf basiert dieser Vorschlag?

Dieser Vorschlag beruht im Wesentlichen auf unserem genossenschaftlichen Geist. Finanziell können wir uns eine einprozentige Dividende leisten, aber die finanzielle Perspektive war nicht der einzige Faktor. Wir haben auch berücksichtigt, was langfristig die bessere Lösung ist, vor allem für unsere Mitglieder und Anleger*innen.

Der Vorstand ging von einem geringen Überschuss aus. Entsprechend sah es danach aus, dass wir die Dividende weitgehend aus unseren Rücklagen würden zahlen müssen. Wir führten mehrere Gespräche mit unseren Mitgliedern und Förderkreisen, um die verschiedenen Optionen auszuloten, wie zum Beispiel keine Dividende, eine Dividende von 0,5 Prozent, von einem Prozent usw.

Wir baten um Rückmeldung dazu, was unsere Mitglieder und Anleger*innen– unter Berücksichtigung von Oikocredits finanzieller Leistungsfähigkeit – von diesen Optionen halten.

Die einprozentige Dividende geht auf einen vom Aufsichtsrat gebilligten Vorschlag des Vorstands zurück.  Die endgültige Entscheidung wird aber natürlich wie immer von der Generalversammlung im Juni getroffen, also von den Mitgliedern unserer Genossenschaft.

In Oikocredits aktualisierter Strategie heißt es, dass die soziale Wirkung Vorrang hat. Besteht da nicht ein Konflikt mit Oikocredits finanziellem Erfolg?

Ich bin überzeugt, dass die beiden Ziele – soziale Wirkung und finanzielle Nachhaltigkeit – Hand in Hand gehen. Wir meinen, dass ein mehrdimensionaler Ansatz die besten Ergebnisse liefert.

Wir berücksichtigen die soziale Wirkung unserer Partner sowie ihre Risiken und Erträge. Es ist nicht nachhaltig und es nutzt auch der anderen Organisation nicht, wenn wir in sie investieren, obwohl wir klar sehen, dass langfristig nicht mit Erfolg zu rechnen ist. 

Grundsätzlich bemühen wir uns um eine gute Balance zwischen sozialer Wirkung und finanzieller Nachhaltigkeit. Mitunter gehen wir höhere finanzielle Risiken ein, da einige Organisationen sich auf eine sehr hohe soziale Wirkung konzentrieren. In diesen Fällen arbeiten wir gemeinsam mit unseren Partnern an einer verbesserten Risikosteuerung und höherer finanzieller Nachhaltigkeit. Ein tolles Beispiel dafür ist unser Projekt zur Steuerung von Preisrisiken.

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